Italien zu Tisch. Eine kulinarische Reise auf der Suche nach den köstlichsten Rezepten der Halbinsel.

Ewig dein, ewig mein, ewig Rom

Ewig dein, ewig mein, ewig Rom

Der Alltag führt manchmal dazu, dass man die Dinge, die einem wirklich am Herzen liegen, vernachlässigt. In den letzten zwei Monaten sind wir kaum dazu gekommen, etwas für Pepolino Verde zu schreiben, und schon gar nicht, ein neues Rezept auf den Blog zu setzen. In der ersten Januarwoche haben wir uns eine Auszeit genommen. Zuerst ging’s nach San Miniato in der Toskana zu Filippos Familie und danach drei Tage zu zweit nach Rom, in die ewige Stadt. Ich für meinen Teil war vorher noch nie in der italienischen Hauptstadt gewesen und habe nicht geahnt, wie schön sie wirklich ist. Die Vorfreude war umso größer!

 

San Miniato
Blick ins Tal von San Miniato. Klicke auf das Foto, um unseren Bericht über San Miniato, die Stadt der weißen Trüffel, zu lesen

 

Rom, wir kommen

Das neue Jahr war gerade einmal ein paar Tage alt und schon konnten wir einen unserer Neujahrsvorsätze umsetzen: Mehr Reisen. Wir hatten uns nicht vorgenommen, jedes Museum zu besichtigen. Für uns ging es bei diesem Urlaub darum, die Schönheit der Stadt in uns aufzusaugen, das Essen zu genießen und soviel zu Fuß zu entdecken, wie nur möglich (ihr wisst schon, der zweite Vorsatz hat etwas mit Kilos auf der Waage zu tun). Das haben wir auch getan und dabei einen der schönsten Urlaube seit je her verbracht. Damit ihr bei eurem nächsten Aufenthalt in Rom genau so auf eure Kosten kommt, wie wir, möchten wir euch hier zeigen, in welchen Restaurants wir gegessen haben und auch welche Viertel es abseits vom Massentourismus lohnt, zu entdecken.

 

Italien aus dem Fenster eines Zuges betrachtet

Rom ist eines der Haupttouristenziele und deswegen auch gewiss kein Geheimtipp, aber Rom ist einzigartig und sollte von jedem einmal bereist werden (einmal mindestens). Unsere Reise dorthin begann am 4. Januar in einem Schnellzug. Wir waren bereits in Italien, weil wir Silvester bei Filippos Familie in San Miniato verbracht haben, wo wir natürlich mit einigen Köstlichkeiten verwöhnt wurden. Gut gesättigt ging es am ersten Donnerstag des Jahres auf nach Florenz, wo wir uns wie zwei kleine Kinder auf unsere erste gemeinsame Zugreise gefreut haben. Mit dem Italo Treno ist man in knapp zwei Stunden in der ewigen Stadt und kann dabei die Landschaft aus dem Fenster heraus betrachten.

 

Schlafen im Schatten des Vatikans – Das Viertel Prati

Einmal am Bahnhof Roma Termini angekommen, führte uns unsere Reise dann zur Unterkunft, die im Viertel Prati lag. An dieser Stelle müssen wir einfach auf unsere Gastgeberin Laura des Bed & Breakfasts „L’incanto di San Pietro“ zu sprechen kommen. Denn eine bessere Bleibe hätten wir wirklich nicht finden können. Den Vatikan konnten wir innerhalb von fünf Minuten zu Fuß erreichen. Wir waren mitten in einem authentischen, italienischen Viertel, wo man an in jedem Geschäft auf echte Römerinnen und Römer und nicht bloß auf Touristen traf.

 

Das Viertel Prati in Rom
Das Viertel Prati in Rom

 

Prati gehört offiziell zur Altstadt Roms, liegt aber etwas abseits und ist ein echter Geheimtipp für Essens- und Modeliebhaber (ja, man kann auch beides gleichzeitig sein, finden wir). Kleine, vorzügliche Backstuben, edle Geschäfte mit Anzügen für Männer, Restaurants, in denen Politiker und Schauspieler ein und aus gehen und Pizzerien für den kleinen Geldbeutel. Das alles lag direkt vor unsere Nase.

 

Rom – Tag 1

Nach der Zugfahrt hatten wir erst einmal Hunger und haben uns im nächstbesten Restaurant eine Pizza geteilt. Da wussten wir noch nicht, dass es eines der besten der Stadt ist. Es heißt „Isola della pizza“ (auf Deutsch: Pizza-Insel) und wir können es euch nur wärmstens empfehlen! Typisch römisch ist der Pizzateig sehr dünn und trotzdem knusprig. Man unterscheidet bei Pizza immer zwischen Pizza romana (dünner Teig) und pizza napoletana (dünner Teig mit dickem Rand).

 

Pizza mit Brokkoli und Salsiccia
Pizza mit Brokkoli und Salsiccia im Restaurant Isola della pizza

 

Um wieder auf den zweiten Neujahrsvorsatz zurück zu kommen, gingen wir danach zu Fuß zur Engelsburg, auf der gerade ein Musiker Cello spielte. Bei 16 Grad und Sonnenschein haben wir uns gefühlt wie in einem Film. Es war einfach wunderschön.

 

Musik vor der Engelsburg
Musik vor der Engelsburg
Ponte Sant'Angelo
Ponte Sant’Angelo

Nach gefühlten 50 Fotos waren wir dann aber doch zu gespannt auf die anderen Sehenswürdigkeiten. Also sind wir von der Engelsburg durch bunte Gassen an Restaurants und Cafés vorbei zur Piazza Navona gelaufen. In der Zwischenzeit wurde der Himmel rosa und blau, und es sollte nicht mehr lange dauern, bis die Sonne unterging.

 

Piazza Navona zur blauen Stunde
Piazza Navona zur blauen Stunde

 

Zeit für einen waschechten römischen Kaffee, dachten wir uns. Vielleicht habt ihr auch schon einmal diese Doku über Rom gesehen, in der die Journalistin von einem Ort namens Tazza d’Oro schwärmt. Wir haben sie, glaube ich, drei Mal geguckt und wollten es dann wissen: Ist der Kaffee dort nur so beliebt, weil das Café Tazza d’Oro direkt in einer Seitenstraße beim Pantheon liegt, oder lohnt es sich wirklich, dort gefühlte 10 Minuten für ein Tässchen Espresso anzustehen? Es lohnt sich.

 

Tazza d'Oro
Tazza d’Oro

 

Das Café Tazza d’Oro ist in Rom eine Institution. Ihr könnt da einen der besten Kaffees der Stadt trinken. Er wird immer noch nach einer im Jahr 1944 festgelegten Mischung zubereitet. Die Kaffeebohnen werden direkt im Café geröstet. Deswegen riecht es dort auch so unwiderstehlich nach Kaffee. Die geschäftstüchtigen Besitzer haben außen am Café Automaten angebracht, an denen es Tazza d’Oro Kaffee zu kaufen gibt. Auch falls das Geschäft also gerade geschlossen sein sollte, wenn ihr dort vorbei schaut, könnt ihr euch den Kaffee als Souvenir holen. Wer danach noch Lust auf ein Eis hat: Venchi liegt direkt auf der anderen Straßenseite. Ein Besuch bei der italienischen Pralinenkette lohnt sich wie in jeder anderen italienischen Stadt auch hier in Rom. Wir möchten allerdings die Geschichte der italienischen Schokolade an anderer Stelle unter die Lupe nehmen, und zwar bei einer Reise nach Turin.

 

Ein Abendessen in unmittelbarer Nähe zum Vatikan

Nachdem wir immer weiter und weiter gelaufen waren, wurde der Himmel tief dunkel und unsere Mägen wieder hungrig. Filippo hatte sich natürlich im Vorfeld informiert und ganz genau geplant, dass wir an diesem Abend in einem besonderen Restaurant in unmittelbarer Nähe zum Vatikan essen würden. Das Restaurant, in dem wir waren, heißt „Da Romolo alla Mole Adriana“. Beim Essen blickt man durch eine komplett gläserne Wand auf den atemberaubenden „Passetto di Borgo“, den alten Fluchgang, der vom Vatikan zur Engelsburg führt. Ja genau der Mauer-Gang, auf dem Tom Hanks in „Illuminati“ andauernd herumläuft. Und das Essen (Zum Beispiel Tonnarelli Cacio e Pepe, Scaloppine al Limone etc.) kann sich wirklich sehen lassen.

 

Cacio e Pepe
Cacio e Pepe

 

Das Gericht, das ihr hier auf dem Foto seht, ist typisch römisch. Cacio bedeutet im Volksmund Schafskäse. Es gibt in Italien mehrere Arten von Cacio: Cacio romano, cacio toscano oder cacio sardo. Der römische Cacio, den man für Spaghetti Cacio e Pepe verwendet, ist im Gegensatz zu den anderen sehr salzig. Er verschmilzt perfekt mit Pfeffer an frischen Nudeln, die natürlich so richtig al dente (bissfest) sind. When in Rome: Cacio e Pepe!

 

Rom – Tag 2

Erst am zweiten Tag sind wir zum Kolosseum gegangen. Ich muss sagen, dass ich es mir immer ein bisschen größer vorgestellt hatte. Vielleicht lag das aber auch an den gefühlt 400 anderen Menschen, die sich mit uns durch die Gänge dort gezwängt haben. Umso atemberaubender ist dafür das Forum Romanum, in das man mit dem Ticket vom Kolosseum umsonst herein kommt. Kleiner Tipp am Rande: Wenn ihr euch im Kolosseum Audioguides holen wollt, reicht ein Guide-Gerät vollkommen aus. Man bekommt nämlich ein Handy in die Hand gedrückt, von dem man sowieso alles ohne Kopfhörer abspielen soll. Also kann jeder, der dabei ist, mithören.

 

Kolosseum, Rom
Kolosseum, Rom

 

Im Forum Romanum lohnt sich auf jeden Fall ein Aufstieg auf die Terrasse. Die großen Treppen dorthin könnt ihr nicht verfehlen. Und fünf Minuten später steht auch ihr oben auf der Aussichtsplattform und traut euren Augen nicht: Man sieht einfach ganz Rom. Und egal, wo man hinsieht, merkt man: Diese Stadt besteht einzig und allein aus Sehenswürdigem. Schönheit überall. Oder eben, auf Italienisch, la grande bellezza.

 

Historisches jüdisches Viertel, Rom
Historisches jüdisches Viertel, Rom

 

Unser Magen meldete sich mittags und führte uns zum historischen jüdischen Viertel, in dem einige Köstlichkeiten zu holen sind. Auch das war auf Filippos kulinarischem Reiseplan vorgesehen. Und ich muss sagen, dass man dort wirklich besondere, süße Teilchen essen kann. Am besten geht ihr dort natürlich an allen anderen Tagen als Freitagnachmittag und Samstag hin, denn zu diesen Zeiten ist fast alles geschlossen. Aber wenn ihr dann da seid, solltet ihr unbedingt die Pizza di Beridde probieren. Das ist ein süßes Gebäck, das bis auf seine Farben nicht viel mit Pizza zu tun hat. In der Pizza di Beridde vereinen sich nämlich rote und grüne kandierte Früchte und Pinienkerne (Tricolore at it’s best).

 

Gebäck mit Ricotta und Sauerkirschen
Gebäck mit Ricotta und Sauerkirschen

In der Via del Portico d’Ottavia versteckt sich ganz unscheinbar eine Backstube (das orangene Haus auf diesem Bild) in der zwei alte Damen neben der Pizza di Beridde zum Beispiel Crostata di ricotta e visciole, ein Teilchen, das mit Ricotta und Sauerkirschen gefüllt ist, herstellen und verkaufen. Unbedingt probieren und dann ganz viel spazieren gehen! Unser Spaziergang führte uns gleich um die Ecke zum „Largo di Torre Argentina“. In den Ruinen tummeln sich ganz viele Katzen, die von lieben Anwohnern gefüttert werden.

 

Essen in Prati

Den Abend wollten wir typisch römisch mit Amatriciana und Carbonara in unserem Urlaubsviertel Prati ausklingen lassen. Fünf Minuten zu Fuß von unserer Unterkunft entfernt war das Restaurant „Da Giggi“. Alles auf der Speisekarte war typisch römisch und authentischer konnten wir gar nicht in Rom essen gehen. Da Giggi ist eine traditionelle Trattoria. Hier sollte man nicht erwarten, verschiedene Gläser für Wasser und Wein zu bekommen, aber eines kann man dort erwarten: Essen, das einem auf der Zunge zergeht und dabei auch noch relativ günstig ist. Für mich gab’s einmal Amatriciana (Nudeln mit einer Soße aus frischen Tomaten, nicht geräuchertem Speck und Zwiebeln) und Filippo hat sich Carbonara bestellt. Fazit: Super lecker, ganz normale Preise und super unkompliziert.

 

Carbonara und Amatriciana
Carbonara und Amatriciana in der Trattoria Da Giggi

 

Il Gran Finale – Tag 3

Und bevor wir uns umsahen, brach auch schon der dritte und letzte Tag unserer Rom-Reise an. Es war ein wunderschöner Tag: Samstag, warme Sonne auf den Straßen und überall Saldi. Das heißt, dass der Winterschlussverkauf alle Römerinnen und Römer in die Läden lockte. Da konnten wir natürlich auch nicht widerstehen und haben uns gut eingedeckt. Nach dem Shoppen war Zeit für unseren letzten Restaurantbesuch in Rom, ebenfalls in Prati, denn wir waren mit unseren Koffern unterwegs und wollten nicht besonders weit laufen. Abgesehen davon, war uns die „Pizzeria Amalfi“ schon am Vortag ins Auge gefallen. Dort gönnten wir uns zum Abschluss eine Pizza aus dem Holzofen, die sich wirklich sehen lassen konnte. Leider war sie zu lecker und zu schnell aufgegessen, als das wir davon ein Foto gemacht hätten. Schaut unbedingt dort vorbei, wenn ihr eine Pizza napoletana, also eine mit dickem Rand, essen wollt und sowieso gerade in der Nähe des Vatikans seid.

 

Vatikan
Der Vatikan von der Engelsburg aus betrachtet

 

Rom ist immer eine Reise wert, auch wenn es nur eine kurze ist. Wir freuen uns schon auf den nächsten Urlaub und träumen bis dahin von den Erinnerungen an diese unvergesslichen drei Tage in der ewigen Stadt.

 

 

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